Im Kontext der geplanten Abrissmassnahmen des Altbaus des Kantonsspitals Baden wird
das Potenzial einer Weiternutzung als Infrastruktur für Komplementärmedizin untersucht.
Der Altbau wird nicht als Restbestand, sondern als räumlicher Anker eines
zukunftsweisenden Gesundheitsverständnisses betrachtet. Aufbauend auf der Heiltradition
der Stadt Baden – von den Thermalquellen bis zum historischen Agnesenspital – entsteht
eine räumliche Vernetzung von Schulmedizin, Komplementärmedizin, Forschung und
Alltag. Zudem verwebt es den Fragmentierten Stadtteil Badens, Dättwil.
Das Konzept des „Heilnetzes“ dient dabei als tragende Idee: ein raumbildendes
Wegleitsystem verbindet therapeutische Angebote, Bildungsorte, Wohnformen und
landschaftliche Bezüge sowohl innerhalb des Spitals als auch in dessen städtischem und
natürlichem Umfeld. Reagiert wird auf gesellschaftliche Entwicklungen wie die freie
Spitalwahl, das wachsende Bedürfnis nach ganzheitlicher Medizin und die Notwendigkeit
evidenzbasierter Forschung im Bereich der Komplementärmedizin. Vorgesehen sind
Labore und Seminarräume, gemeinschaftliche Räume zum Kochen, Arbeiten und
Verweilen sowie flexible Wohnformen für Patient:innen, Angehörige, Forschende und
Bewohner:innen von Dättwil.
Die architektonische Setzung stützt sich auf bestehende vertikale Erschliessungen,
Steigzonen, Öffnungen im Sockel und dadurch eine klare funktionale Staffelung zwischen
Sockel und Hochhaus. Im obersten Geschoss wird ein öffentlicher Gemeinschaftsraum mit
Restaurant und Blick über Baden integriert. Es entsteht eine räumliche Infrastruktur, die
nicht isoliert, sondern vernetzt – und damit neue Wege für ein integratives Verständnis von
Heilung eröffnet.
In light of the planned demolition of the old building of the Kantonsspital Baden, this thesis
explores the potential for its continued use as an infrastructure for complementary medicine.
The building is not regarded as a remnant, but rather as a spatial anchor for a forward-thinking
understanding of healthcare. Drawing on Baden’s long healing tradition—from its thermal
springs to the historic Agnesenspital—a spatial network emerges that interconnects
conventional medicine, complementary medicine, research, and everyday life. At the same
time, it aims to weave together the fragmented district of Baden known as Dättwil.
The guiding concept of the “Healing Network” serves as a central framework: a spatially
formative wayfinding system links therapeutic services, educational spaces, housing typologies,
and landscape references—both within the hospital and in its urban and natural surroundings.
The project responds to societal developments such as the freedom to choose hospitals, the
growing demand for holistic medicine, and the need for evidence-based research in
complementary medicine. It proposes laboratories and seminar rooms, communal spaces for
cooking, working, and gathering, as well as flexible living arrangements for patients, relatives,
researchers, and local residents.
The architectural strategy builds on existing vertical access points, service cores, and openings
in the base structure, allowing for a clear functional hierarchy between the base and the tower.
A public communal space with a restaurant and panoramic view over Baden is located on the
top floor. The result is a spatial infrastructure that does not isolate, but rather connects—
opening up new pathways for an integrative understanding of healing.
Das ehemalige Kantonsspital Baden in Dättwil steht im Fokus dieser Bachelorarbeit. Anstelle des
Abrisses wird ein Ansatz zur selbstbestimmten Weiterentwicklung des Bestands verfolgt. Die These
lautet: Dättwil, das in der Vergangenheit wenig Einfluss auf übergeordnete Entscheidungen hatte, soll
durch Mitsprache und Mitgestaltung auf dem Areal an Selbstbestimmung gewinnen. In der Analyse
wurden die Geschichte Dättwils recherchiert und Interviews mit Personen aus Dättwil geführt, um ein
Verständnis der Wahrnehmungen und Bedürfnisse zu gewinnen.
Die zentrale Fragestellung lautet: Wie kann auf dem alten KSB ein Rahmen geschaffen werden, der
Mitsprache und Mitgestaltung ermöglicht? Grundlage ist die Gründung der Dättwiler Genossenschaft.
Die Genossenschaft verwaltet die Freiräume und bietet ein Angebot, das den Bewohner:innen
Mitgestaltungsmöglichkeiten im eigenen Wohnen sowie in den genossenschaftlichen Aussenbereichen
bietet.
Durch die Öffnung des Sockels mittels einer Strassengasse entsteht eine urbane Verbindungsachse
von der Bushaltestelle zum neuen Spital. Zu dieser Gasse orientiert sich das Gewerbe und an
prominenter Stelle entsteht eine Aula, die für Generalversammlungen, Diskussionen und kulturelle
Anlässe genutzt werden kann. So wird der Sockel aktiviert und die ersten nötigen Gefässe für die
Genossenschaft werden bereitgestellt.
Das Wohnangebot bietet verschiedene Abstufungen von Wohnen im kompletten Selbstausbau bis hin
zu fertig ausgebautem Wohnen. Im Sockelgebäude steht den Bewohner:innen ein hoher
Gestaltungsspielraum zur Verfügung, wobei auch Küche und Nasszellen eigenständig weiter ausgebaut
werden. Im Bettenhochhaus hingegen kann auf bestehende Strukturen zurückgegriffen werden, was
einen niederschwelligen Einstieg in den Selbstausbau ermöglicht.
Der Entwurf schafft Raum für gemeinsames Aushandeln. So wird das KSB, das selbst ein Symbol der
Fremdbestimmung war, zu einem Ort der Mitbestimmung.
Das Projekt «Tierisch gutes Leben» widmet sich der Umnutzung des ehemaligen Kantonsspitals Baden und
schafft auf 50'000 m² Innenfläche und auf 40'000 m² Außenfläche einen neuartigen Lebensraum für
Mensch und Tier. Es setzt sich bewusst gegen die wachsende Entfremdung unserer Konsumgesellschaft
und fördert eine enge, respektvolle Beziehung zwischen beiden. Tiere werden hier nicht nur als
Umgebungselemente, sondern als integraler Bestandteil des sozialen Gefüges verstanden: Sie tragen zur
Förderung von Empathie, Heilung und Wohlbefinden bei und sind zugleich nachhaltig und würdevoll in die
Nahrungskette eingebunden.
Architektonisch öffnet das Konzept den massiven Sockelbau durch gezielte orthogonale Einschnitte, die den
Tieren direkte Wege von der Südwiese bis zu den Stallungen unter dem ehemaligen Bettenhochhaus
ermöglichen – bis hin zum neuen Spitalgebäude, wodurch Patienten und Personal die Tiertherapie nutzen
können. Dies ermöglicht einen natürlichen Austausch von den Innen- zu den Aussenräume, wo sich Mensch
und Tier begegnen können.
Der neu gestaltete Eingangsbereich mit Stoffsegeln verleiht dem Gebäude eine einladende Identität. Ein
zentraler öffentlicher Bereich mit Hofladen, Metzgerei, Schaukäserei, Blumenladen und Café verbindet
Bewohner und Besucher mit der Tierlandschaft. Die durch die Einschnitte entstandenen Stege führen
hinaus zu den Wohnräumen mit direktem Naturbezug.
Das ehemalige Bettenhochhaus wird in ein vertikal organisiertes Wohnkonzept überführt, das Raum für
Wohnen, Austausch und kleingewerbliche Nutzung bietet. Der hohe, zweigeschossigen Südgang, bietet
einen Ausblick auf die Grünfläche mit den Tieren, bringt viel Licht ins Innere und bietet die Möglichkeit für
einen sozialen Austausch. Im Dachgeschoss befinden sich ein Restaurant, sowie die Möglichkeit gemeinsam
zu kochen. Die Dachterrasse bietet zudem eine grosse zentrale Grillanlage, auf der das heimische Fleisch
zubereitet werden kann.
So entsteht ein vielschichtiger Lebensraum für Mensch und Tier – geprägt von Empathie, Nähe und neuer
Lebensqualität.
The “Tierisch gutes Leben” project is dedicated to the conversion of the former cantonal hospital in Baden,
creating a new kind of living space for humans and animals on 50,000 m² of indoor space and 40,000 m²
of outdoor space. It consciously opposes the growing alienation of our consumer society and promotes a
close, respectful relationship between the two. Animals are not only seen as elements of the environment,
but as an integral part of the social fabric: they contribute to the promotion of empathy, healing, and wellbeing,
while at the same time being sustainably and respectfully integrated into the food chain.
Architecturally, the concept opens up the massive base structure with targeted orthogonal incisions that
allow the animals direct access from the south meadow to the stables under the former high-rise bed
building – all the way to the new hospital building, where patients and staff can benefit from animal
therapy. This enables a natural exchange between the interior and exterior spaces, where humans and
animals can meet.
The newly designed entrance area with fabric sails gives the building a welcoming identity. A central public
area with a farm shop, butcher's shop, show dairy, flower shop, and café connects residents and visitors
with the animal landscape. The walkways created by the incisions lead out to the living spaces with a direct
connection to nature.
The former high-rise apartment building is being converted into a vertically organized residential concept
that offers space for living, interaction, and small-scale commercial use. The high, two-story south corridor
offers a view of the green space with the animals, brings plenty of light into the interior, and provides
opportunities for social interaction. The attic floor houses a restaurant and a communal kitchen. The roof
terrace also features a large central barbecue area where local meat can be prepared.
The result is a multi-layered living space for humans and animals – characterised by empathy, closeness
and a new quality of life.
Wie können bestehende Gebäude so weiterentwickelt werden, dass sie gesellschaftlichen
Bedürfnissen gerecht werden – ohne ihre Geschichte und räumliche Qualität zu verlieren?
Diese Frage bildet den Ausgangspunkt dieses Entwurfs.
Das ehemalige Spital Dättwil wird neu gedacht – als ein Ort des Ankommens für
Menschen, die ein Zuhause auf Zeit suchen: Für einen Elternteil, dessen Kind in
Langzeittherapie ist. Für einen älteren Mann, der nach dem Umzug seiner Frau ins
Altersheim nicht allein bleiben möchte. Für eine junge Frau im Praktikum. Sie alle finden
hier nicht nur ein Dach über dem Kopf, sondern ein Zuhause.
Die Identität des Bestands – einst prägend für die Entwicklung Dättwils – wird bewahrt
und gezielt im Sinne der neuen Nutzung weiterentwickelt. Der ehemals heilende Ort bleibt
ein Ort der Fürsorge, jedoch in neuer Form.
Nebst dem vielfältigen Wohnangebot im ehemaligen Bettenturm öffnet sich im
Sockelgeschoss das Gebäude zum Dorf. Öffentlich zugängliche Räume und vielfältige
Angebote schaffen Orte des Austauschs, der Teilhabe und des Miteinanders.
Ein Ort, der auffängt, verbindet und belebt.
Es «däheim» eben.
How can existing buildings be further developed to meet societal needs—without losing
their history and spatial quality?
This question forms the starting point of this design.
The former Dättwil hospital is being reimagined as a place of arrival for people seeking a
temporary home: a parent whose child is in long-term therapy, an elderly man who
doesn’t want to live alone after his wife moved to a nursing home, or a young woman
doing an internship nearby. They all find here not just a roof over their heads, but a home.
The identity of the building—once a defining part of Dättwil’s development—is preserved
and carefully adapted for its new use. The former healing place remains a place of care,
albeit in a new form.
Besides the diverse housing options in the former ward tower, the ground floor opens up
to the village. Publicly accessible spaces and a variety of programs create places for
exchange, participation, and community.
A place that welcomes, connects and invigorates.
It is simply a «däheim».
Diese Arbeit befasst sich mit einer möglichen Umnutzung des alten
Kantonsspitals Baden in Dättwil zu einer multifunktionalen Wohn- und
Freizeitmaschine.
Die tiefgreifende Veränderung des einstigen Bauerndorfs zu einem Teil von
Baden, geprägt durch den Bau der Autobahn, des Spitals und zunehmenden
Wohnungsüberbauungen, bildet dabei den Ausgangspunkt.
Das bestehende Spital wird durch den daneben liegenden Neubau obsolet und
soll rückgebaut werden. Dies obwohl bereits zum heutigen Zeitpunkt Bedarf an
Räumen für Wohnen, Freizeit und Vereinsaktivitäten besteht und dieser mit dem
Einwohnerwachstum der nächsten Jahre weiter steigen wird.
Gleichzeitig erwarten Dättwil in naher Zukunft Herausforderungen wie eine
geplante Asylunterkunft und eine erwartete starke Zuwanderung, die für eine
erfolgreiche Integration auf Raum für soziale Freizeitaktivitäten angewiesen sind.
Auch gesellschaftliche Themen wie der negative Dauerstress der Bevölkerung
müssen behandelt werden und sind für das gemeinsame Funktionieren
essenziell.
Das alte KSB soll in einen Ort transformiert werden, der eine Durchmischung
über gemeinsame Interessen fördert. Es wird zudem durch kurze Wege und
ausgelagerte Räume eine Wohnform ermöglicht, die dem als belastend
empfundene Zeitstress des Menschen entgegenwirkt und dadurch die mentale
und physische Gesundheit fördert. Die Umnutzung zu einer durchmischten
Wohnmaschine mit vielfältigem Wohnraum im Scheibenhochhaus und dem
öffentlich zugänglichen Sockelbereich trägt zu der Belebung des Quartiers und
Dättwil bei.
Es ist eine Zonierung vom öffentlichen Sockel über ein halböffentliches
Puffergeschoss zu privaten Wohnungen im Scheibenhochhaus vorgesehen.
Transparente, lichtdurchflutete Erschliessungsbereiche sowie begrünte
Innenhöfe bieten mit einem durchdachten Nutzungskonzept, das Synergien
ermöglicht, Raum für soziale Interaktion.
Freizeitangebote, Homeoffice-Bereiche und Nachbarschaftsräume verschiedener
Öffentlichkeitsgrade stärken den Austausch und reagieren auf aktuelle, zu
überdenkende Arbeits- und Lebensformen.
Die Umnutzung bietet damit eine nachhaltige Alternative zum geplanten Abriss
und kann als Modell für zukünftige Umnutzungen vergleichbarer Infrastrukturen
dienen und stärkt die Resilienz Dättwils nachhaltig.
Das alte Spital soll aus der Insel des Spital-Areals losgelöst werden. Auf
programmatischer Ebene erhält der Sockelbau, vor allem sein Erdgeschoss, ein hochöffentliches
und stark durchmischtes neues Programm. Somit kann er als Magnet wirken
und viele verschiedene Menschen aus Dättwil, Baden und der Region ansprechen und so
eine soziale Vernetzung fördern.
Die dafür notwendigen architektonischen Eingriffe stehen zu Beginn des Projekts:
Mit einem neuen Haupteingang auf der Ostseite erhält das alte Spital eine eigenständige
Adresse. Der südseitige Laubengang hilft, das Programm zu erschliessen und schafft
einen qualitativen Bezug zum Aussenraum.
In einem weiteren Schritt soll aus dem Bettenhochhaus Wohnraum entstehen, damit im
Gebäude ein Grundstock an Leben herrscht. Es entstehen Quartiere mit unterschiedlichen
Wohnungen und einer gemeinsamen Erschliessung, die auch Aufenthalsqualitäten bieten
soll, sodass innerhalb dieser Quartiere eine soziale Nachbarschaft entstehen kann.
The old hospital is to be detached from the island of the hospital site. On a programmatic
level, the base building, especially its first floor, will be given a highly public and very
mixed new program. This will enable it to act as a magnet and appeal to many different
people from Dättwil, Baden and the region, thus promoting social networking.
The architectural interventions required for this are at the beginning of the project:A new
main entrance on the east side will give the old hospital an independent address. The
south-facing arcade helps to open up the program and creates a qualitative connection to
the outside space.
In a further step, living space is to be created from the bed tower so that there is a basic
level of life in the building. Neighborhoods with different apartments and shared access
will be created, which should also offer qualities of living, so that a social neighborhood
can develop within these neighborhoods.
Unser Patient ist ansprechbar und atmet. Es treten weder Blutungen auf noch sind
Schwellungen ersichtlich. Der Puls ist sprbar und die Haut zeigt, abgesehen von
natrlichen Alterungserscheinungen, keine auffllige Verfrbung. Nebst den operablen
Wucherungen im Innern haben wir Glck: die Arbeit des Forensikers wird vorerst nicht
bentigt. Es handelt sich nicht um einen Leichnam, sondern um einen Patienten inmitten
einer Identitts- und Existenzkrise, bedroht im eigenen Umfeld. Die behandelnden
rzt:innen stellten dies nicht fest Ð sei es aufgrund Interessenskonflikten oder fachlicher
Inkompetenz. Sie sttzen sich auf eine Scheinkorrelation zwischen der Immobilien- und
der Landwirtschaft Ð konkret auf das Prinzip der Fruchtfolgeflche um den Abbruch
gegenber der ffentlichkeit zu legitimieren. Anstelle flschlicher Analogien bedarf es
einer sachlichen, medizinischen Herangehensweise: Anamnese, Diagnose, Therapie. Eine
neutrale Analyse macht die eigentlichen Mngel sichtbar und ermglicht eine gezielte,
wirksame Behandlung. Die Haltung, dass auch kommende Generationen die Mglichkeit
erhalten sollen, auf freier Flche ein den Anforderungen ihrer Zeit entsprechendes Spital
bauen zu knnen, verdeutlicht die Werte der Betreiber und die bergeordnete
Herausforderung: dem Abbruch auf Vorrat eine tragfhige Alternative gegenberzustellen.
Diese Arbeit schlgt ein prozesshaftes Vorgehen vor. Die Umnutzung erfolgt schrittweise,
um eine neue Bewohnerschaft frhzeitig einzubinden Ð nicht nur als Nutzer:innen,
sondern als Mitgestaltende des weiteren Ausbaus. Zentrales Element ist eine innovative
Wohnform, die gezielt Einheimische und Personen mit Fluchthintergrund zusammenfhrt.
Ergnzt wird sie durch integrative Angebote und soziale Hilfestellen.